Eine Sache gleich vorab: das nette Mädchen von nebenan ist wieder da. Und einmal mehr füllt Sandra Bullock diese Rolle besser aus als es irgendeine andere Schauspielerin derzeit könnte.
Gracie Hart (Sandra Bullock) ist FBI-Agentin aus Leidenschaft, sie lebt für den Job. Dass im Leben der knallharten Polizistin ansonsten nicht viel los ist, wird ihr erst richtig klar, als sie einen wichtigen Einsatz beinahe versaut und ihr Chef sie daraufhin zum Innendienst einteilt. Da trifft es sich gut, dass der gesuchte Terrorist "Citizen" kurz darauf mit einem Bombenattentat gegen die Wahlen zur "Miss United States" droht. Schnell merken Gracies Kollegen, dass sie die einzige Agentin ist, die auch im Bikini eine halbwegs akzeptable Figur macht. Nur Gracie könnte undercover unter den Schönsten der Schönen ermitteln, um die Beauties zu beschützen und den "Citizen" zu stellen... wäre da nicht ein Problem: Gracie ist so gar nicht das, was man sich unter einer Schönheitskönigin vorstellt. Haarbürste und Make-up kennt sie höchstens vom Hörensagen und statt Stöckelschuhen trägt sie lieber derbe Lederboots - von Miss-gerechten Umgangsformen ganz zu schweigen.
Doch kein Problem ist ohne Lösung. Und so wird kurzerhand der Miss-Wahl-Profi Victor (Michael Caine) engagiert, der in nur 48 Stunden ein "Geschöpf ausformen" soll, das es bis in die Endrunde der Wahlen schafft. Als "Miss New Jersey" geht Gracie nach einem umfassenden Körperpflege-Bewegungstraining-Marathon ins Rennen und wirbelt den Schönheitswettbwerb kräftig durcheinander.
Bereits vor Michael Caines erstem Auftritt als tuntiger Miss-Wahl-Trainer hat "Miss Undercover" schon gute Witze und Comedy-Elemente zu bieten, spätestens bei Victors Feststellung "... und ich hab' Dirty Harriette" aber rutscht man als Zuschauer vor Lachen fast aus dem Kinosessel und kann sich auch während des restlichen Films nur mühsam darin halten. Ein ums andere Mal sorgen treffende One-Liner für einen andauernden, wirklich spritzigen Komödienspaß, der fast über die ganze Filmdauer kaum ein gutes Haar an Schönheitskonkurrenzen lässt. Wenn alle Teilnehmerinnen einstudiert vom "Weltfrieden" träumen und jegliche Naivitätsskala sprengen, kann man kaum glauben, dass solche Miss-Wettbewerbe tatsächlich noch stattfinden. Erst gegen Ende bauten die Macher eine entsprechende Versöhnung mit der in den USA sehr populären Miss-Industrie ein.
Genau das wurde dem Film in der Kritik mehrfach vorgeworfen: man würde nicht konsequent genug gegen die "oberflächlichen, frauenfeindlichen" Miss-Wahlen zu Felde ziehen. Doch "Miss Undercover" will gar keine gesellschaftskritische Satire sein, sondern in erster Linie unterhaltsames, lustig-spannendes Komödien-Kino auf einem Niveau sehr deutlich über dem Fäkalhumor anderer aktueller Comedy-Streifen. Und für diesen Anspruch reicht die eingetreute Kritik an den Schönheitskonkurrenzen wirklich aus.
Fazit: schon als Mode-Trampel ist Sandra Bullock wirklich sehenswert, nach der Verwandlung vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan zumindest für Sandy-Fans ein absolutes Muss. Aber auch alle anderen Fans locker-leichter Komödienkost werden bei diesem Film auf ihre Kosten kommen. Zugegeben, rein Effekt technisch muss man "Miss Undercover" nicht im Kino sehen - aber wer will schon warten, bis der gelungene Film auf Video erscheint. Also, auf ins Kino und viel Spaß bei "Miss Undercover".
Miss Undercover
Originaltitel: Miss Congeniality
Hauptdarsteller: Sandra Bullock, Michael Caine, Benjamin Bratt, William Shatner.
Regisseur: Donald Petrie.
Jahr: USA/2000. Länge: 109 min.
Preise:
- American Comedy Award für:
- Lustigste Hauptdarstellerin
Sandra Bullock
Bewertung:
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